Travel Blog | Neuseeland– Mit sieben Metern Boss-Feeling durch Landschaften aus Wolle

18. Oktober 2018
Travel Blog | Neuseeland– Mit sieben Metern Boss-Feeling durch Landschaften aus Wolle

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Als ob Südasien, Südamerika, die Malediven, Russland, Schweden, Polen, Estland, Rumänien, Österreich und die Schweiz nicht schon genug wären, ging es für Jane und mich dieses Jahr auch noch ans andere Ende der Welt. Dermaßen aufgeregt und voller Vorfreude stiegen wir Anfang Oktober in ein Flugzeug, das uns 40 Stunden später an einem fernen Ort namens Neuseeland wieder ausspuckte.

Und genauso fühlten wir uns auch. Noch nie zuvor habe ich eine Flugzeit von insgesamt 23 Stunden erlebt und ich muss sagen: Das brauche ich auch nicht noch einmal. Nachdem die Stewardess meinen auf dem Gang baumelnden Kopf mit einem Pferdeschwanz so verfilzt wie ein ganzer Teppich zum zehnten Mal wieder auf den Sitz schob, überkam mich irgendwann das Gefühl, bereits ein ganzes Leben in diesem Flugzeug verbracht zu haben. Das Frühstück konnte kaum vom Abendbrot unterschieden werden und die Uhrzeit spielte erst Recht keine Rolle mehr. Mal war es Tag, mal war es Nacht, aber niemand wusste Genaueres. Ihr könnt euch also vorstellen, wie erleichtert ich war, als dieser Deliriums-Zustand endlich ein Ende nahm.

Frisch wie ein Blumenstrauß ohne Wasser erblickten wir das Licht der Flughafen-Welt in Christchurch und nahmen den nächsten Shuttle-Bus zu unserem Wohnwagenvermieter. Und dort stand es vor uns: ein Gerät ungeahnter Größe. Sieben Meter Länge und drei Meter Breite ließen uns kurz schlucken. Als wahrhaftige Meister der Manipulation konnte man uns jedoch nicht die geringste Angst-Schweiß-Perle ansehen und so nahmen wir todesmutig die Schlüssel entgegen und lenkten das Gefährt Richtung Abenteuer. Bereits nach 3 ½ Minuten am Steuer wollte ich nie mehr abgelöst werden und ich fand Gefallen daran. Gefallen an der Größe, Gefallen am Links-Fahren, Gefallen an der Automatik-Schaltung. In meinem nächsten Leben werde ich definitiv LKW-Fahrer. In Neuseeland (oder England, um den Deliriums-Flug nicht noch einmal erleben zu müssen).

Wir knatterten also los Richtung Kaikoura, legten einen Stopp bei den Marlborough Sounds ein und kamen letztendlich zu dem Highlight unserer verrückten Camping-Tour: dem Abel-Tasmann-Nationalpark. Ich als Bewegungslegastheniker hätte den Park am liebsten mit unserem sieben Meter Klopper durchquert. Ging aber nicht, Jane war das unangenehm. Daher erkundeten wir ihn mit einer atemberaubenden Kajak-Tour von der Wasserseite und mit einem majestätischen Ross von der Landseite aus. Ich hatte noch nie so viel Spaß an körperlicher Aktivität und habe die Schönheit der Natur auf diese Weise besonders genießen können.

Wir haben wirklich alles mitgenommen, was in sechs Tagen Neuseeland zu schaffen ist. Was mir dabei besonders aufgefallen ist: Neuseeland ist nicht gerade das Land der exotischen Tiere. Statt Kängurus kreuzen hier Kühe deinen Weg und streicheln tut man Schafe und keine Koalas. Dennoch ist die Masse an den uns bekannten Tieren enorm. Noch nie zuvor habe ich so viele, süße Woll-Viecher auf einem Haufen gesehen. Oft verlor Jane mich, da ich von meiner streichelwollenden Hand zu den flauschigen Lämmern gelenkt wurde. Selbstverständlich ist es mir nicht gelungen, da die Muttertiere den puren Teufel in sich und auch nach außen tragen, wenn man ihren Schützlingen zu nahe kommt. Trotzdem ein sehr niedlicher Anblick, den ich nicht so schnell vergessen werde.

Sowieso wird mir diese Reise sehr lange in Erinnerung bleiben. Zum einen, weil ich noch nie so viel pure Natur-Schönheit gesehen habe und zum anderen, weil ich das Leben als Camper mit einer sehr hohen Hygiene-Affinität als nicht gerade einfach wahrgenommen habe. Für mich sind das stündliche Händewaschen und eine warme Dusche am Abend pure Glücklichmacher. Beim Campen allerdings genauso fern wie unrealistisch. Und auch die Tatsache, dass auf engsten Raum, der eben auch einmal mit Schuhen betreten wird, nicht vom Boden gegessen werden kann, war für mich eine kleine Katastrophe. Da ich jedoch zwischen der Wahl in einem nicht ganz sterilen Raum oder draußen bei der Wolle im Matsch schlafen stand, viel mir die Entscheidung nicht allzu schwer: Ich wurde Teil der Herde. Okay, kleiner Scherz. Nach meinem persönlichen Empfinden konnte ich mich mit der Situation ganz gut anfreunden und die Vorzüge eines mobilen Zuhauses schnell genießen.
Egal, wie ihr Neuseeland bereist, bereist auf jeden Fall Neuseeland.

8 comments

Luana Niedermoser 25. Oktober 2018 - 10:56

Liebe Juli,
die Bilder sind unglaublich schön geworden!

XOXO Luana
https://luananiedermoser.com

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Julispiration 25. Oktober 2018 - 21:05

Ich danke dir, meine liebe Luana!

Liebste Grüße
Juli

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Julia von Bracelets and Heels 21. Oktober 2018 - 0:10

Hi Juli, Neuseeland steht auch noch auf meiner Reiseliste, der super lange Flug ist aber aktuell noch so etwas, was mich abschreckt. Mein längster war glaube ich 11 Stunden und das fand ich schon richtig anstrengend. Ich glaube aber, dass man in Neuseeland definitiv mit der schönen Landschaft belohnt wird. Die Bilder sind ja wirklich der Hammer 🙂 Liebe Grüße, Julia

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Julispiration 21. Oktober 2018 - 0:15

Liebste Julia,

das kann ich total verstehen – die Reisezeit ist wirklich nicht ohne!
Allerdings lohnt es sich wirklich und ich kann dir Neuseeland (für einen längeren Zeitraum) sehr empfehlen. 🙂

Allerliebste Grüße
Juli

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Janine 20. Oktober 2018 - 15:52

Liebe Juli, ein ganz toll geschriebener Beitrag 😀
Ich kann Deine Abneigung diesem langen Flug gegenüber sehr gut verstehen!!
Und ich bewundere euren / deinen Mut, mit einem so riesen Teil (Camper) herumzufahren – und ich hätte auch Probleme mit der Hygiene etc 😉
Liebste Grüsse
Janine von https://www.vivarubia.com/

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Julispiration 20. Oktober 2018 - 22:30

Oh du Liebe, ich danke dir!
Das freut mich total. 🙂

Und hihi, ja es ist einfach nicht jedermanns Sache.

Liebste Grüße und einen wunderschönen Sonntag für dich
Juli

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Krissi 20. Oktober 2018 - 12:46

Super schöne Bilder! Aber ihr seid für 6 Tage nach NZ geflogen? Seid ihr danach noch auf die Nordinsel oder nach Australien oder so oder wieder nach Deutschland geflogen?
Wir sind letztes Jahr auch nach Neuseeland geflogen und jaa, es ist eine verdammt lange und anstrengende Reise und wir waren danach erstmal eine Woche lang gejetlagged und völlig fertig 😀
Aber das war es wert, denn NZ ist echt ein Traum <3

Ganz liebe Grüße,
Krissi von the marquise diamond
https://www.themarquisediamond.de/

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Julispiration 20. Oktober 2018 - 22:29

Ich danke dir, liebe Krissi!

Genau, die Reise war ein wenig „beruflich“, da wir im Auftrag für Reisereporter von TUI unterwegs waren.
Daher konnten wir uns die Dauer leider nicht aussuchen.
Und ich kann dich sehr gut verstehen, ich hatte auch noch lange mit dem Jetlang zu kämpfen. 🙂

Liebste Grüße und noch ein schönes Wochenende dir
Juli

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